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Waldelefanten in Schöningen

Sie stehen vor der naturgetreuen Nachbildung des größten Elefanten der je auf unserer Erde gelebt hat. Er war hier zuhause.

Während der letzten Warmzeiten vor 150.000 Jahren (Eem-Warmzeit) und vor 320.000 Jahren (Holstein-Warmzeit) lebten im heutigen Niedersachsen Waldelefanten, die als eurasische Altelefanten (Palaeoloxodon antiquus beziehungsweise Elephas antiquus) bezeichnet werden.

Die Rekonstruktion des im November 2018 fertiggestellten Schöninger Elefanten stellt einen kapitalen Elefantenbullen dar, dessen Erscheinung eine Schulterhöhe von über 4,15 m aufweist.

Im ehemaligen Braunkohletagebau, im Grabungshorizont der Schöninger Speere unweit des Wissenschafts- und Erlebniszentrums Paläon wurden bis heute Reste von ca. zehn Elefanten geborgen. Im Jahr 2017 konnte ein Atlaswirbel, ein vollständiger Unterkiefer, ein Zungenbein, ein Stoßzahn und ein Fußknochen eines Elefanten ausgegraben werden. In der Kampagne 2018 wurden die Grabungen fortgesetzt und Relikte von weiteren Elefanten aufgefunden. Die für die Grabung verantwortlichen Archäologen und das Paläon werden nach ausreichender Auswertung der bisherigen Funde zu gegebener Zeit die umfassende Dokumentation und eine Präsentation der Ausgrabungsergebnisse vornehmen.

Bislang gibt es keine fertige Studie über die Elefanten von Schöninagen auf der Grundlage der Einzelfunde. Auch ist festzustellen, dass für die Holstein-Interglazialzeit vor etwa 300.000 bis 400.000 Jahren über den Waldelefanten keine Veröffentlichungen vorliegen, die zu einer genauen Festlegung der Körperstruktur herangezogen werden könnten. Aufgrund bisheriger Funde wird die Größe eines Elefantenbullen mit einer maximalen Schulterhöhe von 4,2 bis 4,5 m angesetzt. Das Gewicht dürfte etwa um zehn Tonnen betragen haben.

Die Paläon-Wissenschaftler in Schöningen vertreten die Meinung, dass ein Elefant in den Breiten des heutigen Mitteldeutschlands nicht mit nackter Haut wie die heutigen Elefanten in Asien/Afrika versehen war und auch nicht nur sporadisch behaart gewesen sein dürfte. Ein dichtes Fell mit längeren Haaren wie bei einem Mammut ist allerdings nicht anzunehmen. Es dürfte ein Fell existiert haben, welches – wie dies z. B. bei Pferden der Fall ist – im Sommer kurz und im Winter etwas dicker erscheint. Diese wissenschaftliche Annahme ist mit der Farbgebung und der zeichnerischen Gesta

ltung auf bestimmten Bereichen des Elefantenkörpers angedeutet worden.

Für die Holstein-Warmzeit beziehungsweise die Zeit der Schöninger Speere vor etwa 300.000 Jahren liegen komplette Skelette dieser Tierart bislang nicht vor. Sie sind daher in der Wissenschaft auch nicht ausreichend aufgearbeitet worden. Die besten Skelett-Vorlagen für den Waldelefanten stammen aus der letzten Warmzeit vor etwa 165.000 Jahren und zwar von der Fundstelle Neumark (Sachsen-Anhalt). Sie sind im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle ausgestellt. Anhand der vorliegenden Knochen sind drastische Veränderungen des Altelefanten für die Zeit zwischen der Holstein-Warmzeit und der Eem-Warmzeit nicht zu erkennen, so dass die kompletteren Skelett-Funde aus Neumark-Nord als Vorlage für die Rekonstruktion unseres großen Waldelefanten in Schöningen verwendet werden konnten. Sehr anschaulich dazu ist die Veröffentlichung von Professor Dr. Harald Meller „Elefantenreich: Eine Fossilwelt in Europa“

(Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Sachsen-Anhalt, Halle/Saale) aus dem Jahre 2010.

Der Waldelefant hat seine neu Heimat im Elmhaus gefunden

Waldelefant erhält den letzen Schliff

Die originaltreue Nachbildung ist fast fertiggestellt uns soll noch in diesem Monat aufgestellt werden.

Von Markus Brich

(von Markus Birch aus: Braunschweiger Zeitung, 6. November 2018.)

Waldelefant kehrt an den Elmrand zurück

Am Schöninger Elmhaus will die Stiftung Fux eine originalgetreue Nachbildung des Urzeittiers errichten.

Von Markus Brich

Schöningen. Die originalgetreue Nachbildung eines Waldelefanten, der vor rund 300 000 Jahren in der Landschaft des heutigen Schöningens lebte, soll in diesem Jahr am Rand des Elms errichtet werden. Federführend bei dem Projekt ist die Stiftung Fux für bildende Kunst und Baukultur Anatol Buchholtz. Wissenschaftlich unterstützt wird sie dabei vom Forschungs- und Erlebniszentrum Paläon. Auch die Stadt Schöningen wirkt in einem Arbeitskreis an der Realisierung des Vorhabens mit.

„Die Großskulptur des heute ausgestorbenen Europäischen Waldelefanten soll möglichst exakt den aktuellen Forschungsstand widerspiegeln“, beschreibt Stiftungsvorstand Hans-Christoph Buchholtz den hohen Anspruch, den er an die Rekonstruktion stellt, die er am Waldrand hinter dem Stiftungssitz Elmhaus aufstellen will.

Das Projekt wird vom Land Niedersachsen mit 78 000 Euro gefördert. Das Geld stammt aus einem Fördertopf des Europäischen Landwirtschaftsfonds und wurde im Rahmen der Zuwendung zur integrierten ländlichen Entwicklung (ZILE) bewilligt.

„Bei Grabungen im Schöninger Tagebau wurden in verschiedenen Schichten Funde von verschiedenen Tieren entdeckt, die belegen, dass der Europäische Waldelefant in einer Zeit vor rund 300 000 Jahren in dieser Region beheimatet war“, erklärt Archäologe Dr. Felix Hillgruber vom Paläon, der das Projekt als touristisch wertvoll und damit als „Win-Win-Situation“ für Paläon, Elmhaus und Stadt Schöningen betrachtet. „Alles was die Menschen mit Urgeschichte und Schöningen verbinden, nutzt auch dem Paläon.“

Ausschlaggebend für die Idee, die Skulptur einer wissenschaftlich entwickelten Rekonstruktion eines Waldelefanten am Elmhaus aufzustellen, seien die Funde von Stoßzähnen und Rippenknochen bei den Grabungen am Paläon gewesen, beschreibt Stiftungsvorstand Buchholtz den Werdegang des Projekts, das sich seit 2015 zunächst nur sehr langsam entwickelte. Zwar wurde eine Zusammenarbeit zwischen Stiftung und Paläon bereits im Februar 2017 mit einem Kooperationsvertrag beschlossen, doch erst mit einer Sitzung des Arbeitskreises Waldelefant, zu der Schöningens Bürgermeister Henry Bäsecke vor kurzem ins Rathaus geladen hatte, nahm das Vorhaben deutlich an Fahrt auf. Das ist auch nötig, da die Fördermittel in diesem Jahr abgerufen werden müssen.

„Für die Stadt Schöningen ist der Waldelefant ein wichtiger Baustein für die touristische Wegeverbindung vom Grenzdenkmal Hötensleben über das Paläon, die Schöninger Innenstadt, zum Elmhaus bis weiter über den Familienwanderweg zum Grillplatz im Karl-May-Tal“, sieht Bäsecke in dem Projekt einen hohen touristischen Nutzwert. „Deshalb setzen wir uns sehr nachdrücklich dafür ein.“

Zwei erste Modell-Studien hat der in Hötensleben arbeitende Bildhauer Yuri Solovei im Auftrag der Stiftung Fux bereits angefertigt. Die etwa 30 Zentimeter hohen Skulpturen stellen den Waldelefanten in einer statischen, eher stehenden Haltung sowie in einer Variante mit deutlich lebendigerer Körperhaltung dar. „Die Modelle sind natürlich nur grobe Entwürfe“, stellt Hans-Christoph Buchholtz klar. „Nun sind wir auf die Expertise der Forscher angewiesen. Wir brauchen von ihnen die wissenschaftlich fundierten Informationen, zum Beispiel zur Beschaffenheit des Fells, der Form der Stoßzähne oder ob die Proportionen des Modells in Bezug auf Haltung, Schulter- oder Beckenhöhe realistisch sind oder wie sie noch angepasst werden müssen“, beschreibt er die nächsten Schritte des Projekts.

Sobald das Wissen der Experten in die Entwürfe eingeflossen ist, will die Stiftung Fux ein Spezialunternehmen beauftragen, das auf Basis eines finalen Modells die Nachbildung in Originalgröße konstruiert. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die Vergabe des Auftrags im Sommer abgeschlossen haben werden“, sagt Buchholtz. Rund sechs Wochen, so schätzt er, werde es dann dauern, um das Miniatur-Modell in Originalgröße nachzubauen. Im September oder Oktober könnte die Rekonstruktion dann am Elmhaus aufgestellt werden.

Parallel dazu treibt die Stiftung-Fux derzeit die Arbeiten für den Standplatz der Rekonstruktion voran. Dafür hat sie von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz eine Fläche hinter dem Elmhaus erworben. Nun müssen das Fundament, Einfassung, Pflasterung, Wegeführung aber auch Stromversorgung und Videoüberwachung geplant und realisiert werden. Unterstützung bei der Gestaltung hat die Stiftung bereits von der Helmstedter Revier GmbH (HSR) bekommen, die mehrere große Findlinge aus dem Tagebau für die Gestaltung des Platzes zur Verfügung gestellt hat.